Nach dem deutlichen Kurseinbruch der globalen Aktienmärkte durch den Krieg im Nahen Osten und den damit verbundenen Turbulenzen an den Rohstoffmärkten kehrten die Aktienbörsen im ersten Halbjahr schnell zur Tagesordnung zurück. Das legt jedenfalls der Blick auf die reinen Indizes nahe, die ihre Verluste größtenteils mehr als wett machen konnten. Obwohl der Konflikt in der Golfregion derzeit lediglich eingefroren ist, fielen die Ölpreise in etwa auf das Niveau vor Ausbruch des Krieges. Der Preis für den temporären Waffenstillstand, den der US-Präsident derzeit zu zahlen bereit ist, erscheint sehr hoch: Das Terrorregime der Mullahs im Iran scheint gefestigt, die mautfreie Passage der Straße von Hormus ist fraglich und der Iran erhält hunderte von Milliarden US-Dollar als Reparation. Ein überzeugender Sieg der USA ist das nicht.
Egal, die Börsen feiern das Ende des Konflikts und drehten ins Plus. Zumindest in Bezug auf die großen und relevanten Marktindizes. So weist der EuroStoxx 50 Index eine Performance von +9,18% und der amerikanische S&P 500 einen Zuwachs von +8,75% per 30.06.26 aus. Deutlich zurück blieb der deutsche Aktienmarkt, der lediglich ein kleines Plus von 2,06% erreichen konnte.
Deutlich abwärts ging es in den letzten Monaten für das Krisenmetall Gold. Viele Anleger nahmen hier die zum Teil hohen Gewinne der Vergangenheit mit und schickten den Goldpreis auf etwa 4.000 US-Dollar. Dies entspricht im Halbjahresvergleich einem Minus von 7,2%.
Derzeit spiegeln die Indizes die Realität an den Börsen nur bedingt wider, denn aktuell beherrscht ein einziges Thema die globalen Aktienmärkte, nämlich Künstliche Intelligenz. So legten die Technologieaktien, die global für etwa 1/3 der Marktkapitalisierung stehen, um knapp 30 % zu. Viele andere Branchen fallen hier deutlich zurück und weisen zum Teil deutliche Kursverluste aus. So verzeichneten zum Beispiel Automobile und Zulieferer aber auch Luxusgüter deutlich zweistellige Kursrückgänge.
Doch auch hinter der beeindruckenden Entwicklung der Tech-Werte verbergen sich große Unterschiede: So stieg der Index der Chipaktien (Philadelphia Semiconductor Index) um über 100 %, während die großen Softwareaktien wie z.B. Microsoft (-23,5%) oder die deutsche SAP (-35,7%) herbe Verluste hinnehmen mussten. Anleger, die in den großen Chipproduzenten der Welt nicht oder nicht sehr hoch investiert waren, nahmen nur wenig an der Kursrallye teil.
Die Entspannung in der Golfregion und die rückläufigen Notierungen für Rohöl sorgte auch für wieder abnehmende Inflationstendenzen. So fiel die europäische Inflationsrate recht zügig von 3,2% auf aktuell 2,8%. Damit änderten sich auch die Erwartungen an die Zinspolitik der Notenbanken. Von der EZB, die ihren Leitzinssatz im Juni um 0,25% unseres Erachtens zu früh erhöht hatte, werden aktuell keine weiteren Zinsschritte erwartet.
Von dieser Entspannung konnten Anleger am Rentenmarkt profitieren. So sank die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe, die Mitte Mai noch bei etwa 3,20% notierte, auf 2,86% zum Monatsultimo. Der Index der Rentenmärkte (IBOXX Euro Overall) konnte seine Verluste wettmachen und weist im 1. Halbjahr eine positive Wertentwicklung von +1,32% auf. Aufgrund unserer etwas vorsichtigeren Positionierung mit kürzeren Restlaufzeiten konnte unser Rentenfonds Premium Bonds Select diese Entwicklung nicht vollständig abbilden und weist ein Plus von 0,46% nach Kosten auf.
Unser Mischfonds Eichler&Mehlert Balanced Strategie schloss per 30.6. mit einer positiven Wertentwicklung von +2,55 % nach Kosten.
Das 1. Halbjahr bot rückblickend ein sehr herausforderndes Marktumfeld. Der reine Blick auf die großen Aktienindizes verstellt dabei den Blick auf viele wesentliche Markttrends. Sicher ist, dass Künstliche Intelligenz auch in Zukunft ein beherrschendes Thema an den Märkten bleibt. Die großen US-amerikanischen Technologiekonzerne investieren in bislang nicht gekannten Dimensionen in ihre KI-Infrastruktur und Rechenzentren. Selbst hochprofitable Tech-Giganten bedienen sich dazu der internationalen Rentenmärkte auf der Suche nach frischem Kapital. Diese Investitionen sind der zentrale Treiber für die Wirtschaft in den USA und in ausgewählten asiatischen Schwellenländern. Dabei profitieren nicht nur Halbleiterhersteller, sondern die gesamte Wertschöpfungskette dieser Branche.
Der in Teilen gigantische Boom der KI-Unternehmen veranlasst einige Marktteilnehmer, hier von deutlichen Überbewertungen zu sprechen. Wir erkennen jedoch einen wesentlichen Unterschied zu früheren Börsenentwicklungen. Denn anders als zu Zeiten des sog. Neuen Marktes sind die Protagonisten des KI-Booms heute äußerst profitabel und verfügen über reale Geschäftsmodelle.
Künstliche Intelligenz wird unsere Wirtschaft und Gesellschaft fundamental verändern. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Einsatz von KI die Arbeitsproduktivität deutlich erhöhen wird. So bauen die großen Softwareanbieter bereits heute massiv Stellen ab und ersetzen diese entsprechend durch KI-Anwendungen. Dieser Trend wird viele Branchen erreichen und für viele mit schmerzhaften Anpassungen verbunden sein. In den alternden Gesellschaften weltweit ist dies aber unverzichtbar, um das Wohlstandsniveau auch für die Zukunft zu sichern. Und wie bei allen großen technischen Revolutionen wird es Fehlentwicklungen und Fehlinvestitionen geben, die Marktkorrekturen auslösen werden. Aber diese werden das Vordringen der KI nicht aufhalten.
Die Konzentration der Börsen auf Künstliche Intelligenz darf aber den Blick auf die vielen anderen Themen nicht gänzlich verstellen. Und davon gibt es einige, die uns unverändert beschäftigen. Da ist zum einen nach wie vor der Ukraine-Krieg, bei dem sich aktuell die Kräfteverhältnisse zu Gunsten der Ukraine zu verschieben scheinen. Zum anderen blicken wir gebannt auf die Lage im Nahen Osten, die deutlich macht, dass die USA trotz militärischer Überlegenheit eine Niederlage erlitten hat. Die Rolle des „Weltpolizisten“ und der globalen Ordnungsmacht haben die Amerikaner derzeit abgegeben. Die Emirate am Persischen Golf werden sich neu orientieren müssen, denn militärischen Schutz der USA gegen massive Investitionen der Golfstaaten in die amerikanische Wirtschaft wird es so zukünftig sicher nicht mehr geben. Das wird die seit einigen Jahren laufende Neuordnung der Welt weiter befeuern und auch langfristige Allokationsentscheidungen der globalen Notenbanken in Bezug auf ihre Währungsreserven beeinflussen. Sicher wird der US-Dollar seinen Status als Weltwährung behalten, aber sein Einfluss schrumpft. Das dürfte mangels adäquater Alternativen auch dem zuletzt unter Druck geratenen Goldpreis nutzen.
Europa sucht derzeit immer noch nach sachgerechten Antworten auf die vielfältigen Herausforderungen. Einige wichtige zentrale Weichenstellungen sind dabei angegangen worden. So hat man erkannt, die Verteidigungsfähigkeit des Kontinents in die eigenen Hände nehmen zu müssen. Darüber hinaus beginnt Europa, sich zaghaft gegen die Bedrohung der heimischen Industrie durch die Übermacht Chinas zur Wehr zu setzen.
Als größte Volkswirtschaft Europas kommt dabei Deutschland eine Schlüsselrolle zu. Die deutsche Wirtschaft steht unter enormem Druck. Monat für Monat gehen zigtausende, oft gut bezahlte Stellen in der Industrie verloren und viele Betriebe verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland. Einzig der öffentliche Dienst und die Rüstungsindustrie bauen derzeit nennenswert Beschäftigung auf. Da verwundert es nicht, dass der deutsche Aktienmarkt im 1. Halbjahr im Vergleich zu anderen deutlich hinterherhinkt. Wenn wir diese Entwicklung stoppen wollen, braucht es beherzte Reformen in nahezu allen Politikbereichen. Das reine schuldenfinanzierte Aufsetzen von Sondervermögen ist sicher grundsätzlich richtig, reicht aber keinesfalls aus. Nachdem bereits ein Jahr mit Ankündigungen verloren gegangen ist, scheint unsere Regierung nun gewillt zu sein, in einen ehrlichen Reformmodus zu schalten. Erste Ansätze sind erkennbar, aber noch immer hängen Teile der Regierung planwirtschaftlichem Gedankengut nach. Die dringend benötigte Steuerreform, die diesen Namen verdient, wurde wieder einmal nicht geliefert. Es geht wiederholt nur um Umverteilung anstatt um Entlastungen.
Allein Teile der Rentenreform gehen in die richtige Richtung. So beginnt Deutschland nach schwedischem Vorbild mit dem Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Dieser Schritt könnte nicht nur die Renten stabilisieren, sondern auch dem deutschen Kapitalmarkt guttun.
Für die vor uns liegenden Monate rechnen wir weiterhin mit einem herausfordernden Marktumfeld. Nach der zum Teil deutlichen Korrektur der europäischen Aktien im Verteidigungssektor ergeben sich aus unserer Sicht genau hier gute Einstiegsmöglichkeiten. Und auch im Bereich der IT-Infrastruktur könnte noch einiges an Potential liegen. In diesem Zusammenhang blicken wir neben den USA und dem Silicon Valley vor allem auf die dynamischen Emerging Markets in Asien. Dies wird die Erhöhung unseres US-Dollaranteils nach sich ziehen, was wir aber aufgrund der Stabilisierung der amerikanischen Währung für angemessen halten. Für konservative Anleger sehen wir auch wieder Renditechancen im Anleihebereich, die gerade im mittleren Laufzeitenbereich attraktive Verzinsungen bieten.
Als strategisch agierender Vermögensverwalter ist es unsere Aufgabe, diese Trends zu erkennen und in den Kundendepots abzubilden. Es wird unweigerlich nicht immer alles reüssieren, was wir kaufen, und temporäre Marktverwerfungen werden uns immer wieder begegnen. Insbesondere in Zeiten, in denen (geo-) politische Entscheidungen wesentlichen Einfluss auf die Kapitalmärkte haben, gilt es, mit Geduld und Vertrauen in die eigenen Stärken zu agieren. Unser Ziel ist es nicht, kurzfristig Maximalgewinne für unsere Kunden zu erzielen. Im Vordergrund steht ein kontinuierlicher Vermögensaufbau, gepaart mit einer angemessenen Risikostruktur.
Düsseldorf, im Juli 2026