Der Auftakt in das Jahr 2026 verlief zunächst vielversprechend. Nach drei guten Börsenjahren in Folge starteten die Kapitalmärkte zuversichtlich in das neue Jahr. Doch seit dem 28. Februar dominiert der Krieg gegen das Mullah-Regime im Iran die Schlagzeilen.
In einem bemerkenswerten militärischen Schlag eliminierten amerikanisch-israelische Luftschläge nahezu die gesamte iranische Führungselite. Doch die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Diktatur in Teheran erwies sich als trügerisch. Der Iran, der sich, wie es scheint, seit Jahrzehnten auf eine kriegerische Ausein-andersetzung vorbereitet hatte, weitete den Krieg auf die gesamte Golfregion und die empfindliche Energieinfrastruktur der reichen Golf-Emirate aus. Die Straße von Hormus, die Lebensader der globalen Ölversorgung, ist weitestgehend unpassierbar.
Das hat dramatische Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise weltweit. Die Inflation scheint auch auf längere Sicht zurück zu sein. Glaubten wir das Trauma aus 2022 mit explodierenden Energiepreisen hinter uns gelassen zu haben, so scheint der Geist wieder einmal aus der Flasche! Denn die hohen Energiepreise werden auch auf viele andere Branchen durchschlagen. Die Produktionskosten in der Chemie- und Pharmaindustrie sowie bei der Lebensmittelherstellung werden deutlich anziehen, um hier nur drei Beispiele zu nennen. Und diese erhöhten Kosten werden an den Endverbraucher weitergegeben werden.
Dieses Szenario setzt die Börsen erheblich unter Druck, denn durch die gestiegenen Inflationserwartungen werden im laufenden Jahr zurzeit eher Zinserhöhungen anstatt weiterer Zinssenkungen erwartet. Dies alles ist Gift für die Aktienmärkte.
Die Gewinne aus Januar und Februar waren damit schnell ausradiert. Das 1. Quartal bescherte den Anlegern über sämtliche Anlageklassen fast ausnahmslos Verluste. Per 31.3.2026 verlor der weltweite MSCI World 3,88%, der europäische
EuroStoxx50 weist ebenfalls ein Minus von 3,83% aus und der deutsche DAX40 schloss sogar bei minus 7,39%. Obwohl etwas weniger von den direkten Auswirkungen der Lieferengpässe betroffen, fielen auch die amerikanischen Aktienindizes wie der S&P 500 mit -4,63% und der Nasdaq100 mit -5,98%.
Bedingt durch geänderte Zinserwartungen gerieten auch die Anleihen unter Druck. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg von gut 2,6% zu Beginn des Jahres auf über 3,0% an. Dabei erlebten kürzere Laufzeiten zum Teil noch deutlichere Renditeanstiege. Dementsprechend verloren die wesentlichen Rentenindizes wie der IBOXX EuroOverall -0,68%.
Auch die Krisenwährung Gold vollzog eine Achterbahnfahrt. Nach neuen Allzeithochs in den ersten Wochen des Jahres mit Steigerungen von 20% schmolz der Gewinn per Saldo zum 31.3.2026 deutlich ab. Den Goldinvestoren verblieb letztlich ein Plus von 6%. Der US-Dollar, der große Verlierer des vergangenen Jahres, profitierte nur sehr verhalten von der neuen Unsicherheit und legte im Berichtsquartal gegenüber dem Euro um 1,64% zu.
Dieser negativen Grundtendenz konnten sich unsere Publikumsfonds auch nicht entziehen. So weist unser globaler Mischfonds Eichler & Mehlert Balanced Strategie einen moderaten Wertverlust von 2,59% aus. Die Anleger profitierten aber noch von dem starken Vorjahresergebnis, in dem wir im Februar eine Ausschüttung von 1,68 EUR/Anteil (Vorjahr: 1,25 EUR) vornehmen konnten.
Unser europäischer Rentenfonds Premium Bonds Select, der schwerpunktmäßig in bonitätsstarken Unternehmensanleihen investiert ist, weist einen Wertverlust von 1,64% aus. Auch hier haben wir eine erhöhte Ausschüttung von 2,07 EUR/Anteil (Vorjahr: 1,65 EUR) vornehmen können.
Es ist so gut wie unmöglich, geopolitische Ereignisse und deren Verläufe zu prognostizieren. Unsere ureigenste Aufgabe ist es jedoch, die uns anvertrauten Kundenvermögen gerade in Krisenzeiten verantwortungsvoll zu managen. Daher beschäftigen wir uns intensiv mit den möglichen Szenarien und deren Auswirkungen auf die Börsen.
Derzeit hoffen die Börsen einmal mehr auf den sogenannten „TACO-Trade“- dabei steht der Begriff „TACO“ nicht für das wohlmundende mexikanische Gericht, sondern für den Begriff „Trump always chickens out“. Dieser besagt, dass Donald Trump immer dann, wenn die Kapitalmärkte einbrechen, den Rückzug von seinen Entscheidungen antritt.
Die Blaupause hierfür ist das Drama um die willkürlichen Zölle am sog. Liberation Day im April 2025. Als er damit die Börsen auf Talfahrt schickte, nahm Donald Trump den Großteil der Zölle schnell wieder zurück und bescherte den Börsen eine rasche Erholung.
Fest steht für uns, dass die globalen wirtschaftlichen Folgen des Golfkriegs gravierender sein werden, als wir zu Beginn erwartet hätten. Die Schäden an der Energieinfrastruktur in der gesamten Golfregion sind schon jetzt erheblich und werden am weltweiten Energiemarkt Spuren hinterlassen. Besondere Bedeutung für die Energieversorgung hat natürlich die freie Passage der Straße von Hormus. Aber gravierender ist unseres Erachtens das strukturelle Problem der eingeschränkten Fördermöglichkeiten.
Und dieses Szenario birgt noch eine weitere Belastung, über die kaum gesprochen wird. Die Golfstaaten waren in den vergangenen Jahren sehr aktive Investoren an den internationalen Kapitalmärkten. Ihr Kapital werden sie nun aber erst einmal für den Wiederaufbau und die Instandsetzung ihrer Energieinfrastruktur und auch die eigene Landesverteidigung einsetzen. Damit fallen Sie als Kurstreiber an den Aktienmärkten mittelfristig aus.
In solch unsicheren Marktphasen ist es essenziell, eine möglichst stabile Anlagepolitik zu verfolgen. Wir sind unverändert davon überzeugt, dass einige langfristig wirkenden Grundtendenzen auch weiterhin marktbestimmend sein werden. Wir sehen das Thema Resilienz in wirtschaftlicher und auch militärischer Ausprägung in Europa weiterhin als zentral an. Bei unserer europäischen Aktienauswahl sehen wir damit unverändert unseren Schwerpunkt in den Bereichen Infrastruktur, Energieversorgung und Rüstung. Darüber hinaus bleibt das Thema Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen fundamentalen Veränderungen ein bedeutendes Thema.
Wir wagen hier und heute die kühne These, dass ein Kriegsende in der Golfregion nicht mehr allzu fern liegt. Dies aus Gründen des innenpolitischen Drucks in den USA, denn für den Präsidenten sind die Midterm-Wahlen im November entscheidend. Sollten, aus welchen Gründen auch immer, die Waffen in Nahost dauerhaft ruhen, wird der positive Effekt und die Erleichterung schnell an den Aktienmärkten spürbar sein.
Und vielleicht wirkt ein solches Kriegsende für die eine oder andere Branche in der westlichen Welt wie ein mögliches Konjunkturprogramm. Nicht nur aufgrund konkreter Aufträge für den Wiederaufbau in den dortigen Ländern, sondern weil wichtige Produzenten aus der Golfregion wie zum Beispiel in der Aluminiumindustrie vom internationalen Markt erst einmal verschwunden sind.
Wie so häufig in der Vergangenheit bieten Kurskorrekturen an den Börsen auch wieder Einstiegschancen. Anleihen bieten aktuell wieder höhere Zinsen und die zum Teil deutlich gestiegenen Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen somit neue Anlagealternativen. Hier sehen wir insbesondere in den mittleren Laufzeitenbereichen attraktive Chancen, die wir in den nächsten Wochen aktiv nutzen werden.
Und nicht zuletzt bewegt sich vielleicht auch endlich die deutsche Politik in Richtung echter Reformen. Die jüngsten Landtagswahlen haben die Koalitionspartner hoffentlich wachgerüttelt und lassen nun endlich eine Welle spürbarer Reformen folgen. Sollte es hier wirklich zu einer Wende kommen, könnte das jahrzehntelange Blockaden lösen und echtes wirtschaftliches Potential entfalten.
Wir blicken verhalten auf die nächsten Wochen und werden zunächst weiter vorsichtig agieren. Konkret bedeutet dies, die aktuellen Liquiditätsquoten noch nicht wieder zu investieren. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2026 wagen wir aber doch einen positiven Ausblick, vorausgesetzt, unsere positiven Annahmen zum Irankrieg und das deutsche Reformwunder stellen sich ein.
Düsseldorf, im April 2026