Keine Jahresendrally, keine Aufbruchstimmung, keine Reformen –
im 2. Halbjahr des Berichtsjahres offenbarte sich die Schwäche Deutschlands und Europas in unmissverständlicher Deutlichkeit.
Die Euphorie und Zuversicht, die noch zu Beginn des Jahres dominierte und an den Börsen ein Kursfeuerwerk auslöste, versanken in Ernüchterung. Insbesondere die deutsche Wirtschaft ächzt unter der mangelhaften Wirtschaftspolitik der vergangenen 15 Jahre, völlig unabhängig von den Farben der regierenden Parteien. Das Wort ‚Wohlstandsverluste‘ prägt mittlerweile den Dialog über die aktuelle Situation, und der stets laut betonten Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen wird die Politik in Berlin und auch Brüssel nicht mehr gerecht. Die dringend benötigten Reformen packt niemand an, Bürokratieabbau würde sich ja ohnehin gegen das eigene Klientel richten, also warum sollte in der Politik hieran irgendjemand wirklich interessiert sein.
Wohlstand – egal wie man ihn definiert – scheint, wenn man dem Mainstream in den Medien glaubt, ohne Arbeit, Anstrengung und Disziplin möglich zu sein und in vielen Köpfen als eine Art Grundrecht für alle zu gelten. Leistungsfreude und damit einhergehender Erfolg haben hinter einer Work Life Balance zurückzustehen, das hat bitte so zu sein. Dieses Gedankengut hat in der Historie offen gestanden noch nie zu Erfolg geführt, warum sollte es also heute funktionieren?
Aber nun zu den Börsen, denn die Performanceentwicklung über das Gesamtjahr 2025 verdient unseres Erachtens eine detaillierte Betrachtung. Die weltweite Aktienmarktentwicklung suggeriert den Anlegern eine schöne heile Welt an der Börse. Die Detailanalyse zeigt aber, dass dies mitnichten so war.
Die europäischen Börsen starteten mit deutlichen Gewinnen ins Jahr, die dann mit der Ankündigung extremer US- Zölle Anfang April zunichte gemacht wurden. Wider Erwarten wurden diese Verluste jedoch schnell wieder aufgeholt. Danach folgte dann eine lange Phase der Stagnation. Die erfreuliche Jahresperformance von gut 22% im DAX und EuroStoxx50 wurde somit größtenteils im ersten Halbjahr des Jahres verdient. Darüber hinaus fehlte es in den Indizes an entsprechender Marktbreite, d.h. an einer Vielzahl von Unternehmen, die eine so positive Bilanz ziehen konnten.
Ganz anders war das Bild an den amerikanischen Märkten. Zum Jahresauftakt 2025 zogen die internationalen Investoren mangels Vertrauen in die neue, amerikanische Wirtschaftspolitik ihr Kapital in großem Stil aus den USA ab. Den Tiefpunkt erreichten die US-Indizes auch hier mit der Verkündung der drastischen Zollpolitik im April. Amerika schien von den europäischen Aktienmärkten abgehängt.
Darüber hinaus litt der US-Dollar stark unter dieser Entwicklung, was zu einem Währungsverlust in Höhe von knapp 14 % per 30.6. führte. Zieht man also hier Bilanz, hat der europäische Anleger im ersten Halbjahr mit den US-Investments ein kräftiges Minus eingefahren. Dies verdeutlicht auch die nachstehende Grafik, die die Entwicklung des MSCI World als Leitindex vieler Investoren darstellt. So enttäuschte die Wertentwicklung aus europäischer Sicht in der Spitze mit minus 3,43%.
Aufgrund dieser Entwicklung an den amerikanischen Märkten und vor allem auf der Währungsseite haben wir im Laufe des ersten Halbjahrs unsere US-Engagements in den Kundendepots weiter reduziert, was dazu führte, dass wir so manchen Währungsverlust realisieren mussten.
Im 2. Halbjahr drehte sich das Bild komplett und die US-Aktien starteten eine fulminante Aufholjagd. Der Dow Jones beendete das abgelaufene Jahr mit plus 13%, die Technologiebörse Nasdaq legte sogar um starke 22% zu und lag damit auf dem Niveau der europäischen Indizes. Der US-Dollar bewegte sich im 2. Halbjahr in einer Bandbreite zwischen 1,15 und 1,20 nur noch seitwärts und konnte zumindest eine weitere Abschwächung gegenüber dem EURO vermeiden.
Rückenwind bekam die Aktienrally in den USA insbesondere von den Zinssenkungen der FED, denn trotzt der Zollpolitik und der schwächelnden Basisindustrie in Amerika hielt sich die Inflation auf einem annehmbaren Niveau, so dass es tatsächlich Raum für die lockere Geldpolitik der Notenbank gab.
In Europa und Deutschland kamen bei den Marktteilnehmern seit August sukzessive Zweifel auf, ob sich unser Wirtschaftsraum gegen die beiden großen Blöcke USA und China zukünftig wirtschaftlich behaupten kann. Die EU schaffte es nicht, in wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen Einigkeit zu erzielen und so büßen wir bis heute unsere frühere wirtschaftliche Überlegenheit, die in Zeiten der Globalisierung der Garant für einen breiten Wohlstand war, ein. Erschwerend kamen Äußerungen verschiedener europäischer Notenbanker hinzu, die öffentlich von Krisensituationen im Finanzsystem und an den Kapitalmärkten sprachen. Dies führte nicht gerade zum Vertrauensaufbau in den EURO-Raum.
Der Rentenmarkt konnte nicht von den Zinssenkungen der Zentralbanken profitieren, da die längeren Laufzeiten aufgrund der global deutlich steigenden öffentlichen Defizite unter Druck standen. So stieg die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe im Jahresverlauf um etwa 0,5%-Punkte auf gut 2,85%. Dementsprechend weist der IboxxEuro Overall Index des europäischen Rentenmarkts ein nur mageres Plus von 1,32% aus.
Enormer Gewinner des Jahres 2025 war wieder einmal Gold, der große Profiteur geopolitischer Unsicherheiten. Mit einem starken dritten Jahr in Folge toppte die Feinunze alle Erwartungen und konnte währungsbereinigt um gut 45% zulegen. Zieht man unter dem Jahr 2025 also Bilanz, so zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Die Performance in den Kundendepots hing stärker als bisher vom Engagement in den USA aufgrund des Dollar-Verfalls ab sowie dem Timing bei Neuengagements in unseren favorisierten Branchen Rüstung und Infrastruktur.
Dies sieht man beispielsweise deutlich an der Entwicklung der Rheinmetall-Aktie, die zumindest in Deutschland Symbol für die neue Verteidigungsstrategie ist. Das Jahresergebnis kann sich mit plus 155% absolut sehen lassen. Im letzten Quartal korrigierten die Rüstungswerte durch die Friedensdiskussion im Ukrainekrieg dann allerdings um über 25%, Rheinmetall konkret um fast 20%. Anleger, die sich also erst in den letzten Monaten in diese Branche wagten, mussten zunächst temporäre Verluste hinnehmen.
Und ein anderer Sektor stand weiterhin im Fokus der Märkte. Die Automobilindustrie sieht sich seit Jahren größten Herausforderungen ausgesetzt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die wachsende Konkurrenz aus Asien setzten die deutschen Autokonzerne ab September / Oktober zu einer ausgesprochenen Aufholjagd an. Wir haben uns mit dem Engagement bei BMW neu positioniert und die Nasenspitze in den Markt gehalten. Und es bewahrheitete sich, denn Totgesagte leben scheinbar doch länger. Die BMW-Aktie schloss das Gesamtjahr mit einem Plus von knapp 18%.
Hilfreich war hier insbesondere auch die bereits lang erwartete Abkehr vom Verbrenner-Aus in dem ursprünglich engen Zeitfenster, dies gab den Kursen noch mal Rückenwind. Die damit herbeigeführte Technologieoffenheit hilft der Branche unseres Erachtens mehr als sie schadet, und der Verbraucher kann je nach Bedarf für sich entscheiden, mit welchem Antrieb er fahren möchte.
Mit unserem globalen Mischfonds Eichler & Mehlert Balanced Strategie konnten wir das Jahr 2025 mit einem schönen Ergebnis von +10,85 % beenden und deutlich von unserem aktiven Managementansatz und unserer starken Gewichtung in europäischen Rüstungswerten profitieren. Und auch unser europäischer Rentenfonds Premium Bonds Select konnte mit einem Zugewinn von +2,56 % seinen Vergleichsmaßstab in einem schwierigen Marktumfeld deutlich hinter sich lassen.
Es war also im Jahr 2025 nicht alles Gold, was glänzt, und so muss man auch die Ergebnisse im Portfoliomanagement lesen. Das abgelaufene Jahr war rückblickend eines der Herausforderndsten im Gesamtkontext einer sich so stark verändernden Wirtschaftswelt.
Und so ging es zum Jahresstart 2026 auch gleich weiter. Kaum hatten wir das neue Jahr begrüßt, setzt die USA in Venezuela ein markantes Zeichen. Diese militärische Aktion war ein deutliches Signal in Richtung Russland und China, das ist unbestritten. Und wie viele dieser Warnungen noch folgen werden, können wir nicht beurteilen und antizipieren.
Was unseres Erachtens allerdings damit deutlich geworden ist, ist die Tatsache, dass wir uns von einer wirtschaftsgetriebenen Weltpolitik mit dem Ziel, durch global verbundene Märkte und Handelsabkommen Wohlstand für die breite Weltbevölkerung zu erreichen, verabschieden sollten. Stattdessen rücken nationale Interessen und militärische Machtoptionen in den Mittelpunkt. Das erinnert ein Stück weit an überwunden geglaubte Gegensätze der alten Ost -West-Politik, ein politisches Kräftemessen, bei dem Europa Acht geben muss, nicht vollends zerrieben zu werden.
Welche Schlussfolgerungen ziehen wir hieraus für unser Portfoliomanagement im Jahr 2026?
Für uns bleiben europäische Rüstungsaktien Kurstreiber, profitieren die Unternehmen doch von den Sonderfinanzpaketen und der Maßgabe, mittlerweile 3,5% des BIP (Bruttoinlandsproduktes) in Verteidigung investieren zu wollen. Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer eigenständigen, europäischen Wehrfähigkeit ist an den Märkten endgültig angekommen.
Auf europäischer Ebene werden darüber hinaus auch weiterhin Aktien aus dem Bereich Infrastruktur (digitale und klassische Infrastruktur) i m Fokus stehen. Aufgrund des wachsenden Energiebedarfs durch die Fortentwicklung der Digitalisierung werden wir uns in diesem Sektor weiter positionieren.
Damit einher geht auch das klare Bekenntnis zu Technologiewerten, und hier dominiert nach wie vor der amerikanische Markt. Auch wenn die Bewertungen so mancher KI-Aktie übertrieben scheint, so steht ohne Zweifel fest, das KI unsere Welt zukünftig in vielen Lebensbereichen verändern und prägen wird. Eine KI - Blase, wie sie seit Monaten an den Märkten diskutiert wird, sehen wir nicht. Denn die dominierenden Unternehmen der Technologiebranche sind anders als bei Krisen der jüngeren Vergangenheit hoch profitabel, so dass die etablierten KI-Konzerne die Kursentwicklungen mit Unternehmensgewinnen gut untermauern können.
Aktuell prüfen wir auch die Anlageregion Asien, und hier insbesondere China, Indien und Süd-Korea. Aufgrund der immer stärker werdenden wirtschaftlichen Bedeutung dieser Regionen erwägen wir Neuengagements über ETF-Strukturen.
In das neue Jahr starten wir mit Zuversicht, halten aber ein aktives Steuern der Depots auch im neuen Jahr für essenziell. Dies gilt sowohl auf der Aktien- als auch der Anleihenseite. Flankiert wird unser aktives Portfoliomanagement durch ein konsequentes Risikocontrolling, um mögliche Risikofaktoren zu antizipieren.
Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihr langjähriges Vertrauen in diesen schwierigen und herausfordernden Zeiten und freuen uns auf ein spannendes Börsenjahr 2026!
Düsseldorf, im Januar 2026