Im 3. Quartal übernahmen ganz klar die US-Aktien wieder das Ruder. Nachdem Deutschland und Europa im ersten Halbjahr die Gewinner waren, legten unsere „heimischen Märkte“ den Seitwärtsgang ein.
Woher kam dieser Favoritenwechsel? Nicht, dass die internationalen Investoren die amerikanischen Aktien wieder für sich entdeckt hätten. Die Hausse der US-Indizes war größtenteils hausgemacht, starteten insbesondere die großen Tech-Konzerne und Geschäftsbanken Aktienrückkaufprogramme in Billionenhöhe. Möglich war dies aufgrund der massiven Steuersenkungen für Unternehmen, die Präsident Trump kurz nach seiner Amtsübernahme auf den Weg brachte. Damit löste er eines seiner vielen Wahlversprechen zügig ein.
Bleibt dieser Trend in den nächsten Monaten so bestehen?
Blicken wir dafür nach Europa und Deutschland. Einerseits verloren die Investoren immer mehr Vertrauen in die amerikanische Regierung und die Vorreiterrolle der Amerikaner auf dem internationalen Handelsmarkt. Andererseits wurde die Rallye der ersten sechs Monate - besonders im DAX - von der Hoffnung getragen, dass unsere Wirtschaft aufgrund einer politischen Reformagenda der neuen Regierung wieder zu alter Stärke zurückkehren wird. Es wurden viele Vorschusslorbeeren verteilt und führten zu neuen Höchstständen am Aktienmarkt.
Die Realität sieht leider anders aus. Die Unternehmensgewinne haben in der zurückliegenden Berichtssaison eher enttäuscht und lassen auch für die nächsten Quartale wenig Positives erwarten. Damit entfernen sich die Bewertungen an der Börse von der tatsächlichen Geschäftsentwicklung der Konzerne, das KGV liegt im DAX aktuell bei 19,2 und damit deutlich oberhalb des langfristigen Durchschnitts von 12 - 15.
Und eine fulminante Reformwelle in Berlin blieb bisher aus. Auch die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zum Thema Bürgergeld, Rente und Infrastruktur sind unserer Meinung nach nicht der große Wurf. Es scheint alles mehr Labeling zu sein als ein wirklicher Reformwille. Trotz renommierter Berater und immer neuer Arbeitszirkel kommt der laute Weckruf der Wirtschaft in Berlin nicht an.
Auch beim für die Automobilindustrie wichtigen Thema des Verbrenner-Aus fehlt eine klare Linie. Statt konkreter Entscheidungen herrscht politische Sprachlosigkeit. Dabei geht es nicht um eine Abkehr von alternativen Antriebstechniken, sondern um eine realistische Umsetzungsstrategie, die Arbeitsplätze in Deutschland sichert.
Auf europäischer Ebene tut man sich ebenso schwer. Die Abkehr vom strangulierenden Lieferkettengesetz lässt genauso auf sich warten wie der Abbau bürokratischer Regulierungsmonster, die in Deutschland mit vorauseilendem Gehorsam immer 120%ig umgesetzt werden.
Die amerikanische Wirtschaft dagegen scheint intakt, die Unternehmen blicken auf eine gute Berichtssaison zurück und haben damit ihre Bewertungen unterstrichen. Die FED hat nach ihrer ersten Zinssenkung in diesem Jahr noch 2-3 weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt. Auch dies wird die Aktienmärkte weiter beflügeln.
Einzig die schwache US-Währung lässt uns derzeit zögern, wieder stärker in Amerika zu investieren. Es fehlen uns Anzeichen für ein Wiedererstarken des US-Dollars, denn die schwache Währung hilft der Industrie, zumindest auf der Exportseite. Wir erwarten den US-Dollar in einer Seitwärtsbewegung im Korridor zwischen 1,16 und 1,20.
Es ist daher schon fast verwunderlich, mit welcher Dynamik die Aktienmärkte bisher zulegten. Diese Entwicklung spiegelt sich in unseren Kundendepots wider, und auch unsere beiden Fonds konnten ihre Gewinne ausbauen:
- Unser globaler Mischfonds Eichler & Mehlert Balanced Strategie konnte im dritten Quartal einen Wertzuwachs von +3,12 % erzielen und blickt auf eine Jahresperformance von +11,60 %.
- Auch unser Rentenfonds Premium Bonds Select konnte im dritten Quartal um +0,78 % zulegen und liegt damit im laufenden Jahr bei +2,30 %.
Einzig der Goldpreis bildet die politischen und wirtschaftlichen Risiken in der Welt ab. Er stieg weiter deutlich an und unterstreicht mit plus 20 % einmal mehr seine Rolle als Sicherheitswährung in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld.
Wie stellen wir uns nun für das letzte Quartal und die nächsten Monate in unserer Vermögensverwaltung auf?
Die Kapitalmärkte stehen im Spannungsfeld zwischen geopolitischer Unsicherheit, divergierender Geldpolitik und enttäuschter Reformhoffnungen. Doch genau in solchen Phasen eröffnen sich auch neue Anlagechancen. Mit unserem aktiven und disziplinierten Investmentansatz möchten wir diese Potenziale gezielt für unsere Kunden nutzen.
Hinsichtlich unserer USA-Positionierung bleiben wir vorsichtig, nicht zuletzt wegen des weiterhin schwachen US-Dollars. Auf der anderen Seite rechnen wir damit, dass sich die europäischen Märkte nach der Sommerpause wieder stärker am Börsengeschehen beteiligen. Sollte es doch zu Fortschritten in der europäischen Wirtschafts- und Strukturpolitik kommen, könnten hiervon positive Impulse ausgehen.
Als wesentlicher Kurstreiber fungiert unsers Erachtens der „Anlagenotstand“, denn die ausreichend vorhandene Liquidität muss investiert werden. Mangels Alternativen werden die Aktienmärkte hiervon profitieren.
Die in den vergangenen Monaten von uns favorisierten Branchen wie Infrastruktur und Rüstung bleiben im Fokus. Daneben werden wir ausgesuchte Value-Werte mit klaren Unterbewertungen an der Börse engmaschig beobachten und ggfs. in die Depots aufnehmen. Hier gilt es, auch einmal mutig und antizyklisch zu handeln.
Düsseldorf, im Oktober 2025